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Die Neue Hochschule 1-2026

30 KI IN FORSCHUNG UND

30 KI IN FORSCHUNG UND LEHRE DNH 1 | 2026 Wie KI Hochschullehre transformiert - Didaktische Chancen des KI-Einsatzes an HAW Künstliche Intelligenz eröffnet HAW neue didaktische Möglichkeiten, um Lehre innovativ, personalisiert und praxisnah zu gestalten. Entscheidend ist, dass KI nicht zum Selbstzweck wird, sondern reflektiert, ethisch fundiert und lernwirksam eingesetzt wird. Prof. Dr. phil. Edeltraud Botzum, Madeleine Dörr, Prof. Dr. phil. Florian Karcher und Prof. Dr. rer. soc. Germo Zimmermann Foto: Nicolas Königseder Foto: privat PROF. DR. PHIL. EDELTRAUD BOTZUM Professorin für Soziale Arbeit Forschungsprofessur (HTA) Leitung digi.peer edeltraud.botzum@th-rosenheim.de https://orcid.org/0009-0006-5688-9453 MADELEINE DÖRR, M. A. Soziale Arbeit Wissenschaftliche Mitarbeiterin digi.prosa und digi.peer madeleine.doerr@th-rosenheim.de beide: Technische Hochschule Rosenheim Campus Mühldorf am Inn Am Industriepark 33 84453 Mühldorf am Inn www.th-rosenheim.de Permalink: https://doi.org/10.5281/zenodo.18017057 Kaum eine Technologie hat die Hochschullehre in kurzer Zeit so stark beeinflusst wie generative Künstliche Intelligenz. Mit der Verbreitung von Anwendungen wie ChatGPT, DALL·E oder Claude hat sich der didaktische Möglichkeitsraum grundlegend erweitert. Doch während die Aufmerksamkeit häufig auf technische Potenziale oder juristische Risiken fokussiert ist, bleibt eine zentrale Frage oft unbeachtet: Wie lässt sich der Einsatz von KI in der Lehre an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) didaktisch sinnvoll, aber auch verantwortbar gestalten? Gerade HAW stehen dabei vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits sind sie durch ihren praxisnahen, anwendungsorientierten Bildungsauftrag besonders prädestiniert, neue Technologien schnell in die Lehre zu integrieren. Andererseits erfordert ihre Studierendenschaft - oft mit heterogenen Bildungshintergründen und individuellen Lebensrealitäten - eine Lehre, die nicht nur innovativ, sondern auch inklusiv und unterstützend ist (Dippelhofer et al. 2025, S. 63). In diesem Spannungsfeld entfaltet KI ihr disruptives Potenzial: Sie kann Barrieren abbauen, Lehrende entlasten und personalisierte Lernprozesse ermöglichen. Gleichzeitig birgt sie das Risiko, bestehende Ungleichheiten zu verstärken - etwa wenn Studierende durch unklare Anforderungen, intransparente Bewertungen oder nicht barrierefreie Systeme zusätzlich belastet werden. So berichten beispielsweise neurodivergente Lehrende und Lernende, dass KI-Tools sowohl als Erleichterung im Alltag als auch als neue Stressoren erlebt werden können (Carik et al. 2024; Sarkar 2025). Vor diesem Hintergrund setzt dieser Beitrag einen bewusst didaktischen Fokus. Er will nicht bloß Anwendungsbeispiele aufführen, sondern die pädagogischen Bedingungen einer sinnvollen KI-Nutzung in der Lehre an HAW reflektieren. Im Zentrum steht dabei die Überzeugung, dass nicht die Technik, sondern das didaktische Design über Bildungsqualität entscheidet. Dabei ist ethische Verantwortung kein Zusatz, sondern integraler Bestandteil gelingender Lehre im KI-Zeitalter. Didaktische Perspektiven auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz Die Integration Künstlicher Intelligenz in die Hochschullehre darf nicht als rein technologische Aufgabe missverstanden werden. Sie ist in erster Linie eine didaktische Herausforderung. KI kann vielfältige Funktionen übernehmen - von der Materialerstellung über Feedback bis hin zur Lernprozessbegleitung. Doch ob diese Funktionen lernwirksam, chancengerecht und verantwortungsvoll eingesetzt werden, entscheidet sich nicht an der Softwareoberfläche, sondern in der didaktischen Gestaltung. Ein hilfreiches Ordnungsmodell für die pädagogische Rahmung bietet Gabi Reinmann mit ihrer Unterscheidung in Didaktik mit, durch und zu KI: - Didaktik mit KI meint den gezielten Einsatz von KI als Werkzeug, etwa zur Textgenerierung oder zur Simulation von Szenarien. - Didaktik durch KI verweist auf neue Lernformen, die durch KI erst möglich werden - etwa personalisiertes

DNH 1 | 2026 KI IN FORSCHUNG UND LEHRE 31 „KI kann Hochschullehre anwendungsnah und innovativ bereichern - wenn ihr Einsatz didaktisch gerahmt, transparent vermittelt und reflexiv begleitet wird.“ Feedback, adaptive Prüfungen oder intelligente Tutorsysteme. - Didaktik zu KI schließlich betont die Notwendigkeit, KI selbst zum Thema der Lehre zu machen und damit kritisches Denken, Reflexionsfähigkeit und Technikverständnis zu fördern (Reinmann 2026 i. E.). Diese drei Perspektiven eröffnen Gestaltungsspielräume, erfordern jedoch eine klare didaktische Haltung. Problematisch wird es dort, wo „KI ohne Didaktik“ betrieben wird - also Werkzeuge genutzt werden, ohne deren Einfluss auf Lernprozesse, Bewertungen oder Interaktionen zu reflektieren. Die Folge sind häufig Überforderung, Ineffektivität oder ein unreflektierter Transfer von Macht an algorithmische Systeme. Impulse bietet auch die KI-Leitlinie Hochschullehre (Hochschule Bayern 2025), die ethische und didaktische Leitplanken für bayerische Hochschulen setzt und unterstreicht, dass ein praktikables Konzept die Balance zwischen Innovativität und Verantwortungsbewusstsein wahren muss, um die Qualität von Bildung nicht nur zu garantieren, sondern weiterhin zu steigern. Betont werden hier die Achtung vor der Autonomie der Studierenden sowie das Bemühen um Chancengleichheit. Hochschulen sind demnach dazu aufgefordert, „für einen fairen und gerechten Zugang zu KI-Werkzeugen [...] zu sorgen“ (ebd., S. 10). Die Leitlinie rät, Studierende und Lehrende für den Umgang mit KI zu befähigen und ihre ethische Reflexionsfähigkeit zu stärken. Für HAW bedeutet das: Der Einsatz von KI muss sich an den konkreten Bildungszielen und Zielgruppen orientieren - praxisnah, adressatengerecht und anschlussfähig. Die Digitalisierung der Lehre ist kein Selbstzweck, sondern muss sich an der Verbesserung von Lernprozessen und an der Förderung von Selbstständigkeit, kritischem Denken und sozialer Teilhabe messen lassen. Förderung von Future Skills als Schlüssel für didaktische Transformationen Ein Aspekt der Integration von KI in die Hochschullehre an HAW ist die Förderung sogenannter Future Skills. Diese Kompetenzen bereiten Studierende auf die Anforderungen der heutigen und zukünftigen Arbeitswelt vor und bieten Foto: privat Foto: privat PROF. DR. PHIL. FLORIAN KARCHER Professor für Religions- und Gemeindepädagogik karcher@cvjm-hochschule.de https://orcid.org/0009-0001-0435-1153 PROF. DR. RER. SOC. GERMO ZIMMERMANN Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit Prorektor der CVJM-Hochschule zimmermann@cvjm-hochschule.de https://orcid.org/0000-0002-7768-7504 beide: CVJM-Hochschule - University of Applied Sciences Im Druseltal 8 34131 Kassel www.cvjm-hochschule.de Quelle: Rampelt et al 2025, S. 1 Abbildung 1: Die fünf Kategorien der Future Skills Framework

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